Mais für Hunde

Mais für Hunde

Billiger Füllstoff oder unterschätzte Beilage?

Kaum eine Zutat hat in der Hundefütterung einen so schlechten Ruf wie Mais – okay, vielleicht noch Weizen 😉 Mais gilt als billiger Füllstoff, als Allergieauslöser, als etwas, das der Hund sowieso nicht verdauen kann.

Der Grund dafür liegt aber weniger im Mais selbst als in seiner Geschichte: Er war jahrzehntelang eine sehr günstige Energiequelle im Trockenfutter. Die meisten Vorwürfe richten sich deshalb eigentlich gegen billige Rezepturen, nicht gegen das Lebensmittel Mais. Diese Unterscheidung zieht sich durch fast alle Punkte.
Wir haben uns die Vorwürfe im Einzelnen angesehen.
Du willst die Infos, hast aber keine Lust oder Zeit zu lesen?

Dann sind hier die Kurzfakten, die wir im Blogartikel genauer erklären:

Ganze Körner tun das tatsächlich – gemahlen und gekocht ist Mais dagegen sehr gut verdaulich, z.B. in Form von Polenta.

Bei nachgewiesenen Futtermittelallergien stehen Rind, Milchprodukte und Huhn ganz vorne, Mais liegt weit dahinter – und er ist von Natur aus glutenfrei.

Der Vorwurf trifft Maiskleber aus der Futtermittelindustrie; bei gekochtem, gemahlenem Mais stimmt das nicht (und bei unserem Bio-Polentagrieß auch nicht 😉).

Aggression hat mit Genetik, Lernerfahrung, Angst und Schmerz zu tun, nicht mit der Wahl der Beilage. Auch wenn Mais tryptophanarm ist, leidet der Serotoninspiegel deines Hundes nicht darunter. 

Lektine stecken vor allem in Hülsenfrüchten – in Mais sind nur wenig Lektine vorhanden und das v.a. im Keimling, der bei Polentagrieß meist entfernt wird. Kochen macht Lektine ohnehin unwirksam. 

Mais reagiert empfindlicher auf Anbau- und Lagerbedingungen als andere Getreide. Deshalb ist es wichtig, dass du Mais möglichst aus dem Lebensmittelbereich kaufst – dafür gelten strengere, rechtlich verbindliche Grenzwerte als für Futtermittel (das ist z.B. bei unserem Maisgrieß der Fall).

Für gesunde Hunde eine unkomplizierte, gut verträgliche Beilage als Polenta-Maisgrieß.  

Also schauen wir uns das der Reihe nach einmal ausführlicher an: 

„Mais geht sowieso unverdaut wieder raus"

Mais fuer Hunde - Mythos-Wahrheit

Hinter diesem Mythos steckt meist eine grundsätzlichere Annahme: Hunde seien Fleischfresser und könnten mit Getreide ohnehin nichts anfangen. Das stimmt so nicht – Hunde sind keine Katzen. Im Lauf der Domestikation haben sie sich an stärkehaltige Nahrung angepasst und das lässt sich bis ins Erbgut nachweisen (Quelle).

Bleibt das Bild, das du vielleicht selbst schon gesehen hast (oder das man von sich selbst kennt, wenn man gegrillte Maiskolben abnagt): ganze Maiskörner im Häufchen. Das passiert tatsächlich – nur ist das, was da unverdaut ankommt, die Schale mitsamt Inhalt. Die äußere Hülle des Maiskorns besteht aus Zellulose, die ein Hund nicht aufspalten kann. Ein ganzes Korn ist für ihn im Grunde eine verschlossene Verpackung.

Gemahlen und gekocht sieht die Sache völlig anders aus: Durch Hitze und Wasser quillt die Stärke auf und wird für die Verdauungsenzyme zugänglich. Aus einer schlecht verwertbaren Zutat wird so eine sehr gut verdauliche.

Und genau so kann Mais gefüttert werden, z.B. in Form von Polentagrieß: fein vermahlen und beim Kochen vollständig aufgeschlossen. Die Schale, die im Häufchen landet, ist bei Polenta gar nicht mehr vorhanden.

Mais ist ein häufiger Allergieauslöser

Wenn ein Hund Hautprobleme oder Juckreiz zeigt, fällt der Verdacht schnell auf Getreide — und Mais steht dabei besonders oft am Pranger.
Die Zahlen sagen hier aber etwas anderes. In einer Auswertung von Hunden mit nachgewiesener Futtermittelallergie sah die Rangfolge der Auslöser so aus: Rindfleisch, Milchprodukte, Huhn, Weizen — und erst weit dahinter Mais mit rund vier Prozent (Quelle). Die häufigsten Auslöser sind also tierische Eiweiße, nicht das Getreide.
Dazu kommt: Eine echte Futtermittelallergie ist deutlich seltener, als der Begriff im Alltag vermuten lässt. Die meisten Haut- und Juckreizprobleme haben andere Ursachen.

Ein Punkt, der bei Mais oft übersehen wird: Er ist von Natur aus glutenfrei. Obwohl eine echte Glutenunverträglichkeit bei Hunden wissenschaftlich kaum eine Rolle spielt, kann Mais dennoch bei Hunden, die auf andere Kohlenhydrate allergisch reagieren, eine sichere und gut verträgliche Kohlenhydratquelle sein – und keinesfalls das Risiko, als das er oft dargestellt wird.

Mais ist nur ein billiger Füllstoff

Dieser Vorwurf kommt aus der Trockenfutterwelt — und dort hat er einen wahren Kern. Nur meint er etwas anderes, als die meisten denken.

Grundsätzlich ist Mais erst einmal eine Kohlenhydratquelle, die Energie zuführt. Dass er dabei nicht unnötig teuer ist, ist ja erst mal schön, denn das Leben ist teuer genug 😉
Oft wird jedoch statt gemahlenem Mais in Fertigfuttern Maiskleber eingesetzt, ein Nebenprodukt der Stärkegewinnung. Der ist eiweißreich, aber von schlechter Qualität, weil ihm wichtige Aminosäuren fehlen — er streckt den Proteingehalt auf dem Etikett, ohne echten Nutzen. Das wird natürlich zu Recht kritisiert, hat aber nichts mit Mais in der Kochfütterung zu tun. Denn Maiskleber und gekochter Mais z.B. in Form von Polenta, haben wenig gemeinsam.  Das eine ist ein industrielles Nebenprodukt, das andere schlicht das gemahlene Maiskorn.

Und das ist bei den Mineralstoffen z.B. teilweise mit Reis vergleichbar und nicht „nährstofflos“. Auch enthält Mais die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin, die als Antioxidantien wirken (Quelle).  

Maiskörner Hund Trockenfutter

Mais macht Hunde aggressiv

Hund Mais Tryptophan

Diese Behauptung taucht regelmäßig in Hundegruppen auf und sie klingt erstaunlich wissenschaftlich: Mais enthalte kaum Tryptophan, aus Tryptophan entstehe Serotonin, und Serotoninmangel mache aggressiv und impulsiv.
Der erste Teil stimmt sogar: Maiseiweiß ist tatsächlich arm an Tryptophan. Wo Mais den Hauptteil der Proteinversorgung decken muss, kann daraus ein echter Mangel entstehen mit möglichen, negativen Auswirkungen (auch auf das Verhalten).

Nur füttert (hoffentlich) niemand seinen Hund ausschließlich mit Polenta 😊
In einer selbstgekochten Ration ist Polenta hauptsächlich eine Energiequelle, die Aminosäuren kommen aus dem Fleisch. Ob das Maiseiweiß viel oder wenig Tryptophan enthält, spielt für die Versorgung deines Hundes deshalb keine relevante Rolle, weil es gar nicht der maßgebliche Lieferant dafür ist.

Und selbst wenn man diesen Gedanken zu Ende führt: Ob eine erhöhte Tryptophanzufuhr über den Bedarf hinaus überhaupt einen Einfluss auf das Verhalten hat, ist bis heute unklar und wissenschaftlich fraglich.

Aggression hat mit Genetik, Lernerfahrung, Angst und Schmerzen zu tun — nicht mit der Beilage.  

Lektine im Mais schädigen den Darm

Mais Polenta Hunde erlaubt

In Diskussionen um Leaky Gut taucht Mais fast immer auf: Er sei besonders lektinreich und greife die Darmschleimhaut an.
Lektine stecken in fast jeder Pflanze, auch in Mais. Die Frage ist deshalb nie, ob eine Pflanze Lektine enthält, sondern wie viel und wie aktiv sie sind. Und da liegt Getreide ganz unten (Quelle), weit hinter den Hülsenfrüchten: Rohe Kidneybohnen sind z.B. wegen ihres hohen Lektingehalts sogar giftig, Getreide zeigt dagegen kaum Aktivität.

Beim Mais steckt das Wenige zudem vor allem im Keimling, der bei entkeimtem Polentagrieß größtenteils entfernt wird — und Kochen macht Maislektine ohnehin unwirksam und inaktiviert sie.

Und was ist mit Phytinsäure?

Phytinsäure ist der zweite Antinährstoff, der Mais häufig vorgeworfen wird. Sie kann Mineralstoffe binden und deren Aufnahme verringern — das stimmt grundsätzlich.
Nur liegt Mais dabei nicht vorne, sondern im Mittelfeld: Der Gehalt entspricht ungefähr dem von Naturreis und liegt unter dem von Weizen (Quelle). Und wie bei den Lektinen sitzt der weitaus größte Teil im Keimling — der bei entkeimtem Polentagrieß größtenteils entfernt wird. Was im fertigen Grieß landet, ist der phytinsäurearme Teil des Korns.

Das viele Omega-6 im Mais fördert Entzündungen

Mais enthält Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure. Daraus wird oft gefolgert, Mais fördere Entzündungen im Körper. In kontrollierten Studien lässt sich dieser Effekt allerdings nicht nachweisen (Quelle): Wenn man Linolsäure gezielt zuführt, steigen die Entzündungswerte nicht.
Beim Selberkochen kommt ein praktischer Punkt dazu: Die Omega-6-Fettsäuren stecken im Maiskeimöl. Polentagrieß ist fettarm — die angeblich problematische Komponente ist darin kaum enthalten.
Und Linolsäure ist für Hunde ohnehin kein Störfaktor, sondern ein essenzieller Nährstoff: Sie muss über die Nahrung aufgenommen werden und ist unter anderem für Haut und Fell wichtig. Wo das Verhältnis wirklich aus dem Gleichgewicht gerät, liegt es meist nicht an zu viel Omega-6, sondern an zu wenig Omega-3.

Was wirklich stimmt

Es gibt einen wichtigen Punkt, den man Mais genauer betrachten sollte:

Schimmelpilzgifte: Mais ist anfälliger für Aflatoxine und Fumonisine als etwa Reis oder Hirse — das liegt an der Pflanze und den Anbaubedingungen. Deshalb lohnt es sich, Mais aus dem Lebensmittelbereich zu kaufen, da hierfür deutlich strengere Grenzwerte als für Futtermittel gelten, die rechtsverbindlich sind (Quelle 1, 2).

Polenta beim Selberkochen

Polentagrieß ist fein vermahlener Mais und damit genau die Form, in der Mais für Hunde gut nutzbar ist. 

So bereitest du ihn zu: 
Die benötigte Menge roh abwiegen (warum roh abgewogen wird, erfährst du hier) und in die 5-10fache Menge kaltes Wasser einrühren. Aufkochen und unter ständigem Rühren 5-10 Minuten lang kochen. Abgekühlt verfüttern 🙂

Wichtig: Ganze Maiskolben haben im Hund nichts verloren. Sie werden zerbissen, aber nicht verdaut, und können zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss führen. Das gilt auch für abgenagte Kolben vom Grillabend.

Fazit

Mais hat einen schlechteren Ruf als er verdient. Was bleibt, ist die Frage der Qualität — und die ist bei Mais tatsächlich entscheidender als bei anderen Getreiden.

Das bedeutet aber nicht „Mais“ oder „kein Mais“, sondern welche Art von Mais – billige Futtermittelware oder Maiskleber in Trockenfutter und Polentagrieß in Lebensmittel- und Bioqualität. Als Beilage beim Selberkochen ist Polenta unkompliziert, gut verträglich und eine schöne Abwechslung zu anderen Kohlenhydratquellen.

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